Ankommen und einleben

Langsam, ganz langsam verwandelt sich unser Chaos wieder in ein Zuhause auf Zeit. Die meisten mitgebrachten Dinge haben ihren Platz gefunden – oder zumindest einen Platz, der fürs Erste gut genug ist. Das neue Lazy Bag sitzt, die Segel sind dank tatkräftiger Unterstützung unseres Schweizer Schiffsnachbarn Peter endlich angeschlagen. Ein Hoch auf spontane Marina-Hilfe!

Eigentlich wären wir also bereit zum Ablegen… eigentlich. Wäre da nicht Griechenland – beziehungsweise die griechische Bürokratie. Unsere deponierten Schiffspapiere haben offenbar beschlossen, noch ein bisschen Urlaub zu machen. Und ohne die geht hier gar nichts. Willkommen im mediterranen Geduldstraining.

Dieses Jahr scheint sowieso ein kleiner Wurm drin zu sein. Vieles, was normalerweise längst erledigt wäre, hängt noch irgendwo zwischen „müsste man noch“ und „macht dann vielleicht jemand irgendwann“. Uns fehlt noch ein Dinghi, unsere Nisirepe braucht nach dem Wintersturm noch etwas Zuwendung – und gefühlt hat einfach niemand Zeit. Der Winter war hier wohl alles andere als zimperlich: Sturm, Regen, Chaos. Arbeiten am Boot? Fehlanzeige. Also wurde alles verschoben… und jetzt, pünktlich zum Saisonstart, versuchen alle gleichzeitig, ihre To-do-Listen abzuarbeiten. Entsprechend lebendig geht es hier zu.

Umso dankbarer sind wir, dass unsere Nisirepe den heftigen Sturm in der Nacht vom 21. Februar – Windstärke 11! – so glimpflich überstanden hat. Ein bisschen Lackschaden ist wirklich ein Geschenk. Das hätte ganz anders ausgehen können.

Am Montagabend sind dann auch unsere Schiffsnachbarn angekommen . Seglerfreunde aus dem Suhrental, mit ihrem Boot Anjna. Schon letzten Herbst wurden uns die Liegeplätze nebeneinander zugeteilt. Manchmal spielt das Leben einfach mit.

Für mehr als einen kurzen Drink im Marina-Café hat es an dem Abend zwar nicht gereicht – zusammen mit der Crew der Sarabella von Thomy und Regi – aber dafür waren die letzten Tage umso schöner. Austausch, Hilfe, Lachen… genau so stellt man sich das Leben in der Marina vor.

Besonders charmant: unser kleiner Tauschhandel. Moni hatte ein Kissen zu viel aus der Schweiz dabei – jetzt macht es unser Sofa im Salon gleich viel gemütlicher. Im Gegenzug haben wir unseren überschüssigen Plexiglasspiegel weitergegeben. Und ganz ehrlich: Endlich können wir unsere Outfits im Ganzkörperspiegel checken, bevor wir von Bord gehen. Ein absolut unterschätzter Luxus!

Während ich das schreibe, arbeitet im Hintergrund schon unser Brotbackautomat. Das erste Brot der Saison ist in Produktion – mit griechischem Mehl. Ein kleines Abenteuer für sich. Wir haben nämlich bewusst darauf verzichtet, Mehl aus der Schweiz mitzunehmen. Wenn schon unterwegs, dann richtig. Backen und Kochen mit dem, was das Land hergibt – auch wenn die Beschriftungen manchmal eher wie ein Rätselspiel wirken. Ob ich das richtige Mehl erwischt habe? Wir werden es bald wissen…

Aus der Heimat trudeln derweil E-Mails ein, WhatsApp läuft auf Hochtouren. Das Leben geht weiter – einfach gerade ohne uns. Ein seltsames Gefühl, aber auch ein schönes.

Besonders erleichtert bin ich, dass es meinen Grosseltern wieder etwas besser geht. Die Sorge um sie war vor der Abreise doch ziemlich präsent.

Und ich? Ich komme langsam wieder an. In meinem anderen Leben. Dem mit Salz in den Haaren, improvisierten Lösungen und dem Gefühl von Freiheit.

Sogar der Gang zur Marina-Dusche hat dieses Jahr einen gewissen Reiz – alles ist neu, frisch renoviert und fast schon luxuriös. Wer hätte gedacht, dass ich mich mal über eine Dusche so freuen würde?

Viel gesehen haben wir ausserhalb der Marina allerdings noch nicht. Aber entweder heißt es bald „Leinen los!“ – oder wir machen uns vorher noch auf, die Insel ein bisschen zu erkunden. Korfu ist ja eine wunderschöne Insel, die wir gar noch nicht wirklich kennen… 😉

 

Nachtrag: Das Toastbrot ist richtig gut gekommen-dieses Mehl können wir wieder einkaufen.

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