Wir sind wieder allein und warten weiterhin auf unser Dinghi

Die Woche mit Anita und Patrick ist wie im Flug vergangen.
Die Nacht in Sivota war bilderbuchmässig ruhig. Der Morgenschwumm gehörte natürlich zum Pflichtprogramm und danach lichteten wir den Anker mit Kurs auf Lakka.

Schon bald konnten wir die Segel setzen. Zunächst glitten wir gemächlich dahin, später segelten wir mit guten sechs Knoten durch das tiefblaue Meer. Die erhoffte Delfinsichtung blieb leider aus. Dafür gerieten wir am späteren Nachmittag in eine seitliche Dünung, die Patrick langsam aber sicher zusetzte.
Der Kapitän stellte ihn kurzerhand ans Steuer. Vitamin C, Ohrstöpsel und Cracker wurden verabreicht, und Patrick hielt tapfer durch.

Die Bucht von Lakka war bereits gut gefüllt, doch im hinteren Teil fanden wir noch ein schönes Plätzchen. Hätte ich die Hinweise unserer Schiffsnachbarn am Bug besser verstanden, wäre uns allerdings ein zweites Ankermanöver erspart geblieben. Kaum hatten wir unseren Anker etwas knapp zwischen zwei anderen Booten eingebracht, lichtete das Boot vor uns seinen Anker und verliess die Bucht. Also nutzten wir die Gelegenheit, starteten ein zweites Ankermanöver und verlegten unseren Anker etwas weiter nach vorne.
Danach passte alles perfekt, und auch Patricks Gesichtsfarbe normalisierte sich merklich.
Nach dem Ankerbier zog es die Crew trotz des glasklaren Wassers eher an Land als ins Meer. Bei einem Apéro, einem Spaziergang und einem feinen Nachtessen kam die Welt wieder vollständig in Ordnung. Die Jungen wurden sogar übermütig und unternahmen mit dem Dinghi noch eine kleine Spritzfahrt.
Bereits am Nachmittag war mir der leichte Schwell aufgefallen, und ich machte mir Sorgen, dass Patrick eine unruhige Nacht bevorstehen könnte. Wie sich am nächsten Morgen herausstellte, völlig unbegründet. Er habe ausgezeichnet geschlafen, erklärte er. Als ich an Deck kam, war er bereits eine Runde ums Schiff geschwommen. Natürlich wollte ihm da niemand nachstehen.
Die Fahrt zurück zur Marina verlief ohne Wind und ohne Delfine, dafür mit einer kleinen Ehrenrunde in die Bucht vor dem Flughafen. Dort flogen die startenden und landenden Flugzeuge direkt über unsere Köpfe hinweg.

Inzwischen war auch das auf Abwege geratene Gepäck in der Marina angekommen. Die folgenden zwei Tage konnten Anita und Patrick endlich wieder ihre eigenen Kleider tragen. Und das genossen wir ausgiebig: mit einem Frühstück auf der Aussichtsterrasse über dem Flughafen, einem Besuch des Achilleions (Kaiserin Sisi von Östereichs Palast und Garten), einem Ausflug nach Paleokastritsa und einem erfrischenden Schwumm im Canal d’Amour in Sidari. Wenn man als Paar unter dieser Felsöffnung durchschwimmt, bleibt man der Legende nach für immer zusammen.
Am Sonntagmorgen brachten wir die beiden zurück zum Flughafen. Danach waren wir den ganzen Tag etwas wehmütig. Das Schiff kam uns plötzlich sehr leer vor. Das gehört zu unserem Leben: oft Abschied nehmen und die Menschen vermissen, die uns am liebsten sind.
Umso grösser ist die Dankbarkeit für diese herrliche und intensive Woche. Und wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Wiedersehen.
Unterdessen haben wir übrigens unsere Schwimmwesten wieder!
Einige Tage lang befanden sie sich – ohne unser Wissen – sogar auf der Anjana neben uns. Wir haben tatsächlich zugeschaut, wie ein Mann die Kartonschachtel mühsam wieder vom Boot holte, ohne zu ahnen, dass sich darin unsere lange vermissten Schwimmwesten befanden.
Jetzt fehlt nur noch unser richtiges Dinghi. Dann wären wir endlich wieder komplett ausgerüstet und könnten nach Preveza aufbrechen, um unsere Solarpanels auszutauschen.
Während der Wartezeit durften wir erleben, wie hier in Kontokali Pfingsten gefeiert wird. Die orthodoxe Kirche feiert die kirchlichen Feiertage bekanntlich etwas später als wir. Deshalb fand gestern, am Pfingstmontagabend, ein riesiges Fest statt: mit Musik, grossen Grillständen und ganzen Schafen, die über dem Feuer gebraten wurden.
Die Griechen verstehen es definitiv zu feiern.

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