Wind und Wellen und neue Solarpanels

Wir sind wieder zurück in der Marina, nachdem wir gut zehn Tage unterwegs waren.

Unser Weg führte uns über Mongonisi auf Paxos direkt nach Preveza. Weil es Samstag war, hatten wir keine Chance, am Stadtpier einen Platz zu bekommen. Die Plätze sind alle von Charter-Booten belegt. Sowieso zog es mich wieder in den Ambrakischen Golf, der mir bereits letztes Jahr so gut gefallen hatte. Zwar ist das Wasser dort nicht so klar und türkis wie in Lakka oder eben in Mongonisi – eher grünlich. Dafür ist es deutlich weniger überlaufen, und man sieht viele Schildkröten. Direkt bei der Einfahrt von Preveza in den Golf wurden wir von einer grossen Meeresschildkröte direkt neben unserem Schiff begrüsst.

Wir segelten weiter nach Vonitsa. Die Bucht bei der alten Stadt mit ihrer Burgruine und der schönen Brücke zog uns magisch an. Relativ entspannt glitten wir mit Rückenwind und ausgebaumter Fock dahin, bis uns ein Schweizer mit seinem prächtigen Oxley-Segel frech überholte. Sofort erwachte bei meinem Kapitän das Regattafieber. Er holte den Bluewater Runner aus der Bugkiste und setzte ihn, obwohl bereits rund 15 Knoten Wind standen.

Für mich als Mitseglerin ist das allerdings immer wieder eine persönliche Herausforderung. Mir wird das schnell zu aufregend. Das laute Flattern des Segels und das Schlagen der Schoten lösen in mir noch immer ein gewisses Mass an Panik aus. Als das grosse Segel später eingeholt werden musste, hielt der Wind so stark dagegen, dass es fast nicht mehr möglich war. Entsprechend erleichtert war ich, als wir schliesslich die Ruhe der Bucht erreichten.

Es folgte ein wunderschöner Abend, und auch die Nacht verlief ruhig.

Eigentlich hätten wir gerne den ganzen Sonntag dort verbracht. Ein Blick in die Windy-App zeigte jedoch aufziehende Gewitter. Da wir wegen der neuen Solarpanels ohnehin in den Stadthafen wollten, beschlossen wir, bereits an diesem Tag aufzubrechen.

Der Rückenwind vom Vortag war nun zu kräftigem Gegenwind geworden, und plötzlich war ein Jäckli wieder sehr willkommen.

Über unseren Kontakt vor Ort wurde uns ein Liegeplatz zugesichert. Als wir ankamen, war jedoch weit und breit niemand zu sehen. Also drehten wir Kreis um Kreis. Dabei erhielt ich einige Fahrstunden im Rückwärtsparkieren bei Wind. Es braucht schon starke Nerven, mit einem Schiff auf die Hafenmole zuzufahren und dabei zu wissen, dass dieses Fahrzeug keine Bremse besitzt. Nur ein kräftiger Vorwärtsschub im letzten Moment verhindert den Aufprall.

Irgendwann wurde uns das Herumkurven zu viel, und wir legten kurzerhand selbst an. Natürlich prompt am falschen Platz, wie sich später herausstellte. Trotzdem durften wir bleiben. Knapp 40 Euro kosteten uns vier Nächte – allerdings ohne Wasser und Strom.

So sehr ich das Ankern in Buchten liebe: Die Sicherheit von Mooring und Heckleine geniesse ich schon sehr. Dieses Gefühl, völlig sicher zu sein.

Wir hatten bewusst einen Platz etwas ausserhalb des Zentrums gewählt. Keine Bars und Restaurants direkt vis-à-vis, sondern einfach Menschen, die gemütlich an der Promenade vorbeispazierten.

Am Montag wurden dann tatsächlich unsere Solarpanels ersetzt.

Dass die Batterien gleich anschliessend ebenfalls ausgetauscht würden, wäre allerdings zu optimistisch gewesen. Diese kamen erst am Mittwoch an die Reihe.

Preveza ist jedoch ein schöner Ort, und so nutzten wir die Zeit für ausgedehnte Entdeckungstouren. Ab Oktober wird die Marina ohnehin unser neuer Jahresplatz sein.

Am Donnerstag stand schliesslich die Endabnahme der neuen Installationen an. Nun sind wir wirklich autark unterwegs. Strom und Wasser können wir selbst produzieren.

Unser Rückweg führte uns zunächst in die Two Rock Bay. Wir konnten wunderbar in der Mitte der Bucht ankern, was sich kurz vor Sonnenuntergang als Glücksgriff erwies. Plötzlich kam die Küstenwache herangerauscht, und etliche Boote mussten ihren Ankerplatz verlegen, weil sie zu nahe am Strand lagen.

Es war, als wäre ein Fuchs in den Hühnerstall eingedrungen. Ein riesiger Aufruhr entstand. Nicht wenige versuchten, mit den Beamten zu diskutieren. Das nützt bekanntlich meist wenig.

Irgendwann kehrte wieder Ruhe ein.

Am nächsten Tag standen wir vor der Wahl zwischen zwei Übeln:

Entweder entlang der Küste weiter nach Norden, wo teilweise kräftige Gewitter angesagt waren, oder quer über das Meer nach Lakka, wo es zwar gewitterfrei bleiben sollte, dafür aber starke Böen für die nächsten zwei Tage angekündigt waren.

Wir entschieden uns für die Böen. Die kennen wir schliesslich bereits vom letzten Jahr und vom Meltemi in der Ägäis.

Gewitter bleiben dagegen immer unberechenbar.

Tatsächlich hat es uns ordentlich durchgeweht. Sicherheitshalber blieben wir auf dem Schiff. Doch spät am Abend legte sich der Wind, und wir erlebten eine überraschend ruhige Nacht.

Der Weg nach Plataria am nächsten Morgen war dagegen ziemlich ruppig. Noch immer liefen hohe Wellenberge vom Sturm des Vortages. Erst im Windschatten von Korfu wurde es ruhiger.

Plataria selbst entpuppte sich als wunderschöner Ort. Wieder sicher an der Mooring – dieses Mal für stolze 60 Euro pro Nacht, dafür inklusive Dusche.

Das Konzert der Hafenhunde während der Nacht gab es kostenlos dazu. Ebenso den Weckruf des Pfarrers am Morgen – mit Gesang und Megafon.

Gegen Abend liefen wir schliesslich wieder in die Gouvia Marina ein. Hier warten wir nun auf Vlora und Philipp, die in den nächsten Tagen mit uns unterwegs sein werden.

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